Am Freitag, 27. Februar zeigen wir um 19.30 Uhr einen kurzen und einen längeren Film des österreichischen Filmemachers Gerhard Benedikt Friedl:
Knittelfeld – Stadt ohne Geschichte (1997) 35 min
Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen? (2004) 73 min
Gerhard Benedikt Friedl (1967–2009) hat ein ebenso schmales wie einzigartiges Werk hinterlassen. Aus elementaren, scheinbar einfachen Komponenten entsteht in seinen beiden Dokumentarfilmen Knittelfeld – Stadt ohne Geschichte (1997) und Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen? (2004) ein kristallklares und gleichzeitig hermetisches, dicht geknüpftes Gewebe. Friedls präzise Weise, Bild und Erzählung miteinander zu konfrontieren, hat den Möglichkeiten des filmischen Nachdenkens über Landschaften, Geschichte, Verbrechen, Politik und Ökonomie eine bis dahin unbekannte, faszinierende Variante hinzugefügt.
Die Provinz als Ort des Grauens hat in der österreichischen Literatur eine lange Tradition, während im Kino die Idylle des Heimatfilms noch immer weitgehend unwidersprochen geblieben ist. Gerhard Benedikt Friedls Knittelfeld – Stadt ohne Geschichte setzt sich von der Heimatfilmtradition in mehrfacher Hinsicht ab: Durch die Wahl des Gegenstands, einer Kleinstadt in einer unauffälligen, landschaftliche keineswegs besonders erbaulichen oder erhabenen Gegend; durch die Form der Erzählung, die das Fiktive und das Dokumentarische vermischt, dabei aber die Bild- von der Tonebene tendenziell abstehen läßt.
Friedls erster abendfüllender Film Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen? zeigt globales Kapital in seinem Rauschen und seinen Räuschen, seiner Infamie und Delinquenz. Global ist Kapital als allumfassende Beziehung zwischen Orten, Personen, Objekten, Bildern, Worten, die immer auch Nicht-Beziehung ist, „audiovisueller Riss“ zwischen dem aus dem Off pedantisch Gesagten und dem im Bild ungerührt Abgeschwenkten. BRD-Geschichte mit Thyssen und Flick, mit erfunden klingenden wirtschaftsdynastischen Namen, Tics, Tricks und Vertracktheiten, wird nicht als ruhmreiche Erfolgsstory gerahmt, auch nicht „erklärt“, sondern: Kapital bleibt infam, ohne Geschichte und himmelschreiend. Wirtschaften ist Verstrickung und das Delikt nicht prinzipiell getrennt vom Erfolg.
Zeit & Ort:
27.02.2026, 19.30 Uhr
Bürgerhaus „Alte Schule“
Mittelstraße 33, in Lindow (Mark)
